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Warum wir in der Natur manchmal vor Glück weinen

Als mir in Schottland ständig die Tränen kamen

Es passierte zum ersten Mal auf einer kleinen Straße irgendwo in den schottischen Highlands.

Links Berge.
Rechts Wasser.
Über mir Wolken, die aussahen, als würden sie Geschichten erzählen.

Nichts Besonderes war passiert.

Und trotzdem standen mir plötzlich die Tränen in den Augen.

Nicht aus Traurigkeit.
Nicht aus Überforderung.

Sondern aus etwas anderem.

Aus Glück.

Oder vielleicht aus etwas, das noch größer ist als Glück.

Und es blieb nicht bei diesem einen Moment.

Während unserer Reise durch Schottland passierte es immer wieder. Beim Blick auf uralte Bäume, die vollständig von Efeu umarmt waren. Beim Rauschen eines Wasserfalls. Beim Anblick eines Sees, der völlig still zwischen den Bergen lag.

Irgendwann fragte ich mich:

Warum weinen wir eigentlich manchmal vor Glück in der Natur?

Unser Nervensystem erinnert sich

Im Alltag sind wir oft im Funktionsmodus.

Wir planen.
Organisieren.
Erledigen.
Denken an morgen, nächste Woche oder das nächste Problem.

Unser Nervensystem befindet sich häufig in einer Art Dauerbereitschaft.

Und dann stehen wir plötzlich in einer Landschaft, die nichts von uns verlangt.

Kein Termin.
Keine Aufgabe.
Keine Erwartung.

Zum ersten Mal seit langer Zeit dürfen wir einfach nur sein.

Für manche Menschen fühlt sich das wie Erleichterung an.

Für andere wie tiefer Frieden.

Und manchmal zeigt sich diese Entlastung in Form von Tränen.

Nicht weil etwas falsch ist.

Sondern weil der Körper loslässt.

Schönheit kann überwältigend sein

Es gibt einen Begriff dafür:

"Ehrfurcht" oder auf Englisch "Awe".

Forscher beschreiben damit das Gefühl, wenn wir etwas erleben, das größer ist als wir selbst.

Ein gewaltiger Berg.
Das Meer.
Ein Sternenhimmel.
Ein uralter Wald.

In diesen Momenten wird unser eigenes Gedankenkarussell plötzlich kleiner.

Die Sorgen treten einen Schritt zurück.

Wir fühlen uns verbunden mit etwas Größerem.

Dieses Gefühl kann so intensiv sein, dass unser Körper darauf mit Tränen reagiert.

Die Natur spricht eine Sprache, die wir nie vergessen haben

Vielleicht berühren uns Wälder, Seen und Berge deshalb so tief, weil sie etwas in uns erinnern.

Wir Menschen haben den größten Teil unserer Geschichte in und mit der Natur gelebt.

Nicht zwischen Bildschirmen.
Nicht zwischen Betonwänden.

Sondern zwischen Bäumen.

Am Wasser.

Unter freiem Himmel.

Vielleicht erkennt ein Teil von uns dort etwas wieder.

Etwas Vertrautes.

Etwas, das wir nie ganz verloren haben.

In Schottland fühlte es sich an wie Heimkommen

Besonders die alten Wälder haben etwas mit mir gemacht.

Die dicken Efeustränge, die sich um jahrhundertealte Bäume schlängeln.

Das weiche Licht zwischen den Ästen.

Das Wasser, das überall seinen Weg findet.

Manche Bäume wirkten fast wie Tore in eine andere Welt.

Und immer wieder hatte ich das Gefühl:

Hier muss ich gar nichts leisten.

Ich darf einfach nur schauen.

Atmen.

Staunen.

Vielleicht waren die Tränen genau das.

Ein Zeichen dafür, dass ich für einen Moment aufgehört hatte zu funktionieren.

Und stattdessen begonnen hatte zu fühlen.

Wenn dir das auch passiert

Falls dir in der Natur schon einmal die Tränen gekommen sind:

Du bist nicht komisch.

Du bist nicht zu sensibel.

Und du bist auch nicht plötzlich traurig geworden.

Vielleicht hat dein Nervensystem einfach einen Moment gefunden, in dem es sich sicher genug gefühlt hat, loszulassen.

Vielleicht hat dein Herz etwas erkannt, das dein Kopf noch nicht in Worte fassen kann.

Und vielleicht sind diese Tränen nichts anderes als ein stilles Dankeschön.

Für einen Augenblick, in dem alles genau so war, wie es sein sollte.

Manchmal reisen wir hunderte Kilometer, um eine Landschaft zu sehen.

Und am Ende entdecken wir etwas ganz anderes:

Uns selbst.

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